Handwerkstradition
Wie eine kleine sächsische Stadt zur Hochburg für elegante Pantoffeln wurde. Wie die Geschichte mit einer Legende beginnt und in einem strengen Regelwerk der Zunft mündet.
Die Sage vom "Babuschenmeyer"
Mitte des 18. Jahrhunderts soll ein wandernder Schuhmachergeselle namens Johann Meyer nach Jahren der Gefangenschaft in Nordafrika mit einem besonderen Wissen nach Groitzsch gekommen sein. Er konnte farbenfrohe „Babuschen“ aus feinem Saffianleder herstellen, wie man sie sonst nur aus dem Orient kannte. Seine Legende erzählt von Gefangenschaft, einer verbotenen Liebe zur Emirstochter und einer abenteuerlichen Heimkehr.
Historisch belegt ist: Johann Meyer, der „Babuschenmeyer“, ließ sich tatsächlich in Groitzsch als Schuhmacher nieder, gründete die Schuhmacherinnung und starb 1755. Sein Wissen um das seltene Leder und die exotische Schuhform legte den Grundstein für den Aufstieg der Stadt.
Exportschlager Babusche
Die farbigen Pantoffeln trafen den Modegeschmack ihrer Zeit: ein Luxusprodukt für Damen aus Adel und gehobenem Bürgertum. Die Groitzscher Schuhmacher trugen ihre Ware zu Fuß oder mit Handkarren auf Märkte in der ganzen Region – von Leipzig bis Dresden – und nutzten die Nähe zur Leipziger Messe für Kontakte bis nach Serbien, in die Türkei, nach Ägypten und sogar China. Schon im 19. Jahrhundert produzierte das Handwerk in Groitzsch für den Weltmarkt.
Gründung der Schuhmacherinnung
1749 machten sich die Groitzscher Schuhmacher von der Pegauer Zunft unabhängig und gründeten ihre eigene Innung – mit Johann Meyer als erstem Obermeister. Die Innungsregeln sicherten Qualität und gutes Miteinander: Wer Meister werden wollte, musste drei Jahre lernen, drei Jahre wandern und ein anspruchsvolles Meisterstück fertigen. Die Zahl der Meisterplätze war begrenzt, um die Existenz aller Familien zu sichern. In ihrer Blütezeit zählte die Innung über 200 Meister.
Die Innung als Sozialversicherung
Lange bevor es staatliche Sozialversicherungen gab, sorgte die Innung für ihre Mitglieder vor. Die 1782 gegründete „Leichencasse“ sicherte im Todesfall eine würdige Beerdigung und die 1824 eingerichtete „Armencasse“ half Meistern, Witwen und Waisen in wirtschaftlichen Krisenzeiten.
Stadtmuseum Groitzsch
Gebäude "Alte Wache"
Albin-Jahn-Gasse 2
04539 Groitzsch
Öffnungszeiten
Sonnabend 10 bis 12 Uhr
oder nach Vereinbarung.
Führungen
für Gruppen und Schulklassen
nach Vereinbarung.
Kontaktpersonen
Dietmar Schäfer
Telefon: 034296 42867
E-Mail: dietmarschaefer@gmx.de
Stadtverwaltung Groitzsch
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Telefon: 034296 45136
E-Mail: sylvia.benndorf@groitzsch.de