Industrialisierung
Aus dem Handwerk der Meister erwuchsen Fabriken – und aus Groitzsch eine Stadt, in der um 1900 fast jeder zweite Erwerbstätige mit der Herstellung von Schuhen sein Geld verdiente.
Die erste Fabrik: J.C. Meischke
Der gelernte Schuhmacher Johann Carl Meischke baute ab den 1820er Jahren einen expandierenden Betrieb auf und erhielt 1850 die Genehmigung, als „Fabrik“ zu firmieren – frei von den Beschränkungen der Zunft. 1862 besuchte sogar der sächsische König Johann persönlich die Schuhfabrik. 1867 stand hier eine der ersten beiden McKay-Durchnähmaschinen Deutschlands, importiert aus den USA.
Elf Fabriken um 1895
Um 1895 zählte Groitzsch bereits elf Schuhfabriken unterschiedlichster Größe, von der Großfabrik O. & E. Kalischer mit 225 Beschäftigten und Dampfmaschine bis zum kleinen Betrieb Emil Dobenecker mit elf Arbeiterinnen und Arbeitern. Ein Adressbuch von 1896 verrät: Von 2073 Erwerbstätigen der Stadt arbeiteten 1160 in der Schuhherstellung – Fabrikarbeiter und -arbeiterinnen ebenso wie selbstständige Meister, die in Heimarbeit für die Fabriken zuarbeiteten.
Werkzeuge für die ganze Welt: Graf & Oertel
Parallel zur Schuhindustrie wuchs die Groitzscher Werkzeugfabrik Graf & Oertel, gegründet 1906 aus zwei Handwerksbetrieben. Spezialisiert auf Werkzeuge für die Schuhproduktion, meldete sie eigene Patente an, gewann Goldmedaillen auf internationalen Messen und lieferte in 26 Länder. In den 1930er Jahren erfand ein junger Werkzeugmacher hier sogar eine eigene Schreibmaschine, die „Mirina". Nach 1945 verstaatlicht, musste der Betrieb nach 1990 schließen.
Stadtmuseum Groitzsch
Gebäude "Alte Wache"
Albin-Jahn-Gasse 2
04539 Groitzsch
Öffnungszeiten
Sonnabend 10 bis 12 Uhr
oder nach Vereinbarung.
Führungen
für Gruppen und Schulklassen
nach Vereinbarung.
Kontaktpersonen
Dietmar Schäfer
Telefon: 034296 42867
E-Mail: dietmarschaefer@gmx.de
Stadtverwaltung Groitzsch
Sylvia Benndorf
Telefon: 034296 45136
E-Mail: sylvia.benndorf@groitzsch.de